Kostenübernahme für dauerhafte Haarentfernung bei Transsexualität

LSG NRW Urteil – 08.05.2014 – L 16 KR 453/12

Ein neues, richtungsweisendes, Gerichtsurteil zur Kostenübernahme für die Bartentfernung durch Laserepilation oder durch nichtärztliche Leistungserbringer.

Diesem Gerichtsurteil nach sind gesetzliche Krankenversicherer verpflichtet, auch die Kosten für die Bartentfernung durch Laserepilation oder durch eine von einem nichtärztlichen Leistungserbringer durchgeführte Nadelepilation zu übernehmen, sofern der Krankenversicherer nicht zeitnah einen regionalen ärztlichen Leistungserbringer einer Elektroepilation (Nadelepilation) konkret benennen kann.

https://sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?modul=esgb&id=174326

dauerhafte Haarentfernung – was bedeutet das?

Es ist immer wieder die Frage, ob eine Haarentfernung dauerhaft ist, oder ob die Haare nach einer bestimmten Zeit wieder zurückkommen. Laut der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA (Food an Drug Administration) werden Geräte zur Haarentfernung in die Kategorien „permanent hairremoval“ zu deutsch „permanente Haarentfernung“ und „permanent hairreduction“ zu deutsch „permanente Haarreduktion“ unterteilt. Der Begriff dauerhafte Haarentfernung ist von der FDA als signifikante Haarreduktion für einen Zeitraum, der länger als der Haarzyklus in der entsprechenden Körperregion ist, definiert. Auch der Begriff permanente Haarentfernung wird häufig als Synonym für dauerhafte Haarentfernung verwendet. Als Depilation wird dagegen die vorübergehende, oberflächliche Enthaarung bezeichnet.Zur Kategorie der „permanenten Haarentfernung“ zählt ausschließlich die Nadelepilation, während in die Kategorie der „permanenten Haarreduktion“ die Photoepilationsmethoden, also Laser- und IPL-Technik, eingestuft werden. Eine permanente Haarreduktion bedeutet aber nicht, dass die Haare nach einer bestimmten Zeit zurückkommen, sondern dass nicht alle Haare permanent entfernt werden können und somit ein Teil der Haare zurück bleibt. Die Ursache liegt darin, dass Photoepilationsmethoden nur dunkle Haare entfernen können, die ausreichend Melanin besitzen, während die Nadelepilation jedes Haar entfernen kann. Häufig besteht eine behaarte Körperregion nicht nur aus dunklen, dicken Haaren, sondern es sind auch helle und dünne Haare vorzufinden. Wenn diese Stellen z.B. gelasert oder mit IPL behandelt werden, können nur die dunklen und dicken Haare verödet werden, während die dünneren und helleren Haare zurückkommen. D.h. ein behandeltes Areal wird selten komplett haarfrei, sondern es bleibt eine feine Restbehaarung übrig. Da diese Haare jedoch fein und hell sind, sind sie i.d.R. auch nicht störend.
Eine Voraussetzung für die permanente Haarentfernung oder Haarreduktion ist jedoch nach wie vor die richtige Durchführung, egal ob mit Laser, IPL oder Nadelepilation. Nur wenn die richtigen Parameter und die richtige Technik eingesetzt werden, kann ein permanentes Ergebnis erzielt werden. Haare die einmal richtig verödet wurden, können auch nicht mehr nachwachsen. Da unser Körper jedoch viele ruhende Haarfollikel hat, besteht die Möglichkeit, dass sich neue Haare im Laufe des Lebens aktivieren können und wachsen. Dies sind erfahrungsgemäß jedoch eher einzelne Haare und kein dichter Bewuchs mehr, wie er vor der Haarentfernung vorhanden war.

Intense pulsed light

Intense pulsed light – kurz IPL zählt zu den Photoepilationsmethoden. Ähnlich wie beim Laser werden Haare mit hochenergetischem Licht dauerhaft verödet. Die IPL-Technik arbeitet dabei nicht mit Licht einer einzigen, festen Wellenlänge, wie der Laser, sondern mit einem Breitbandspektrum an Wellenlängen. Dabei wird Licht aus einer Xenonlichtquelle mit Hilfe von Filtern auf das benötigte Lichtspektrum reduziert, welches für die Enthaarung benötigt wird. Jedes Gerät ist dabei unterschiedlich konstruiert und arbeitet mit unterschiedlichen Energien und Wellenlängen, wobei die durchschnittlichen Wellenlängen zwischen 600-950 Nm liegen. Der Vorteil eines Wellenlängenspektrum liegt darin, dass verschiedenen Farben und Eindringtiefen erreicht werden können, wodurch auch Haare mit etwas helleren Brauntönen behandlungsfähig werden, die der Laser manchmal nicht mehr erreicht. Trotz alledem müssen die Haare ausreichend Pigmente besitzen, blonde, rote, graue und helle Haare können auch mit der IPL-Technik nicht erfolgreich behandelt werden, hier bleibt nur die Möglichkeit der Nadelepilation.

IPL-Technik – marla schnee cosmetics köln

Nadelepilation

Die Nadelepilation ist das älteste Verfahren in der permanenten Haarentfernung. Sie wurde 1875 erfunden und bis heute stetig weiterentwickelt. Anders als beim Laser oder der IPL-Haarentfernung wird nicht flächig gearbeitet, sondern jedes Haar einzeln entfernt. Dies geschieht über eine kleine Sonde, die durch den Haarkanal bis an die Haarwurzel eingeführt wird, um dort mit einem kleinen Stromimpuls die Wurzel zu veröden. Dies kann mit hochfrequentem (Thermolyse) oder Gleichstrom (Blend, Electrolyse) erfolgen. Durch die Behandlung jedes einzelnen Haares, ist die Nadelepilation bei vielen Haaren relativ aufwändig. Der Vorteil des Verfahrens liegt jedoch darin, dass jede Haarfarbe gleichgut behandelt werden kann. Anders als bei den Photoepilationssystemen (Laser, IPL) können vor allem auch blonde, rote und graue Haare dauerhaft verödet werden. Wichtig für den Erfolg der Behandlung ist neben einem guten Epilationsgerät vor allem das handwerkliche Geschick der Elektrologistin. Es ist eine sehr grazile Arbeit, die extrem feine Sonde (ungefähr so dick wie das Haar) durch den Haarkanal, bis an die Haarwurzel zu führen, um dort den Strom abzugeben. Bei einer guten Elektrologistin ist dieser Vorgang kaum zu spüren und man fühlt nur eine leichte Erhitzung am Haar bei der Stromabgabe.

Die Kosten der Nadelepilation hängen von der Menge der Haare ab. Berechnet wird die reine Arbeitszeit in Minuten, wobei die Minutenpreise zwischen 1-4 EUR schwanken. Jemand mit Erfahrung schafft ungefähr zwischen 100 und 400 Haare pro Stunde. Genau wie bei der Photoepilation sind nur ca. 30% der behandelten Haare dauerhaft verödet, der Rest der Haare kommt nach einer bestimmten Zeit zurück. Dies liegt darin begründet, dass alle Haare unterschiedlichen Lebensphasen unterliegen und nur die Haare in der Wachstumsphase (ca. 30%) verödet werden können. Da es von aussen nicht erkennbar ist, in welcher Phase sich das Haar befindet, müssen erstmal alle Haare behandelt werden, wovon dann ca. 70% zurückkommen und wieder behandelt werden müssen. Hinzu kommt bei der Nadelepilation, dass die Haare etwas über der Haut stehen müssen, um sie behandeln zu können. Da die Haare in unterschiedlichen Zyklen wachsen, ist leider immer nur ein Teil der Haare wirklich an der Oberfläche sichtbar und der Rest liegt unter der Haut. Im Gesicht ist es nur ca. 1/10 der Haare, die sichtbar sind. D.h. die Menge der Haare ist deutlich mehr, als wir auf den ersten Blick sehen können. Da die Photoepilationssysteme auch die Haare unter der Haut veröden können, ist die Häufigkeit der Sitzungen bei der Nadelepilation dementsprechend höher.

Für eine möglichst effektive und kostengünstige Epilation muss von daher abgewegt werden, welche Behandlung am sinnvollsten ist. Häufig ist es eine Mischung aus Nadelepilation und Laser oder IPL-System. Solange dunkle und kräftige Haare vorhanden sind, kann mit der Photoepilation kostengünstig und schnell gearbeitet werden. Wenn jedoch nur noch dünnere, helle, graue oder rote Haare vorhanden sind, sollte die Nadelepilation eingesetzt werden.